Wenn der Anrufer mehrmals klingelt …

Heute vormittag, das alte Analogtelefon klingelt. Ich hebe ab, melde mich mit Namen, werde dann gefragt.

“Guten Tag, hier ist Firma XYZ. Ist Frau Schmidt zu sprechen?”

Längere Pause – ich muss jetzt schnell überlegen. So eine Anfrage hatte ich in den letzten 5 Wochen ungefähr 10 mal. Anrufe von unterschiedlichen Firmen nach jemandem mit immer anderem Namen, der oder die offensichtlich nicht hier wohnt. Dann frage ich die Anruferin zurück:

“Von welchem Callcenter aus rufen Sie an?”

Die Gefragte reagiert empört und wird etwas lauter:

“Neiiin – wir sind doch kein Callcenter!!! Ich will nur wissen, ob die Frau Schmidt zu sprechen ist!!”

Ich so:

“Ich ermittle grad Ihre Telefonnummer und rufe dann die Polizei an.”

Jetzt wird die Stimme auf der  anderen Seite lauter – ich lege auf.

PolizeianzeigeBei den ersten Anrufen dieser Art dachte ich noch an etwas dümmlichen Mitbewerber-Telefonterror.  Aber als ich das Wort “Polizei” ausgesprochen hatte, fiel mir diese Einbruchsannonce in unserem Hausflur ein. Vor ein paar Wochen wurde schon einmal eingebrochen.  Und die kürzlich veröffentlichten Kriminalstatistiken weisen hier im Bezirk steigende Einbruchsdelikte aus.

Nach polizeilichen Erkenntissen existieren Einbrecherorganisationen, denen würde ich solche Telefonspionage wohl zutrauen – mal eben testen, ob die Einwohnerin zuhause oder in Urlaub ist. Ist die Mailbox einmal zu oft dran, ist Bude reif für den Bruch.

Also, ich habs getan. Polizei angerufen, meine Beobachtungen geschildert und die Vermutung geäußert, dass es sich um die Vorbereitung einer Straftat handelt. Prävention, mit anderen Worten. Mal sehn, was passiert.

49 Musikalische Schweigeminuten

Die Berliner Zeitungen schweigen. Dabei ist in der Nacht zum Mittwoch ein großartiger Musiker gestorben:  Johnny Winter! Die FAZ und die Zeit machen es besser. Wo beide Zeitungen abschreiben, denn die Artikel sind fast identisch, weiß ich nicht. In Gedenken an ihn werde ich mir jetzt Second Winter auflegen. Das einzige, mir bekannte Doppel-Album auf dem nur drei Seiten bespielt wurden. Der Link verweist auf die englische Wikipedia; ein deutscher Eintrag existiert nicht.

Hauptstadt der Weltmeister

Herzlichen Glückwunsch dem ganzen Team und willkommen in der Hauptstadt!

Vor dem Brandenburger Tor

Die Weltmeister-Maschine bei der Ehrenrunde rund um das Brandenburger Tor

weiterlesen »

Berliner Straßennamen zeigen Spuren aus vielen Kriegen

Bei Namen wie Gendarmenmarkt und Stauffenbergstraße ist es offensichtlich. Aber mit der Skalitzer Straße oder dem Hackeschen Markt verbinden vermutlich nur wenige Menschen einen Hinweis auf vergangene Kriege. Das Projekt Straßenkrieg des Künstlers Hans Hack zeigt diese Verbindungen sehr anschaulich. Überall in Berlin gibt es Straßen und Plätze, deren Namen auf Ereignisse, einzelne Personen oder auch eroberte und verlorene Gebiete seit der Varusschlacht 9 n.Chr. verweisen. 750 Straßennamen aus 40 Kriegen.

Ausschnitt aus "Kriegsspuren in Berliner Straßennamen"

Ausschnitt aus “Kriegsspuren in Berliner Straßennamen”

Wie wichtig ein Bewusstsein für das Thema ist, zeigen auch die schon seit Jahren zum Teil heftig geführten Diskussionen, um die Umbenennung von Straßen und Plätzen. Nur um ein – immer noch – aktuelles Beispiel herauszugreifen, sei der Streit um die kolonialen Namen im Wedding (Afrikanisches Viertel) genannt.

Die technische Umsetzung der Webanwendung zu den Kriegsspuren in Berliner Straßennamen von Dacosto ist auch ein anschauliches Beispiel für Datenjournalismus. Auf der Karte lässt sich mit Filterung nach Zeiträumen, einzelnen Kriegen und Kriterien wie Personen, Militärische Einheiten oder Kriegsschauplätze die große Datenmenge gut erschliessen und differenziert betrachten. Man merkt, dass einer der profiliertesten Datenjournalisten aus Berlin Lorenz Matzat an der Realisierung beteiligt war.

Chicago meets Berlin

Bekanntlich ist derzeit das Verhältnis zwischen Berlin und Washington nicht das Beste. Ganz anders dagegen die Verbindung Berlin – Chicago. Jedenfalls dann, wenn die gleichnamige und bereits vor 47 Jahren gegründete Band damit gemeint ist.

Chicago

weiterlesen »

Statt Bahn

Nichts geht mehr auf der Stadtbahn - Foto: h|b

Nichts geht mehr auf der Stadtbahn – Foto: h|b

Ab kommenden Montag kehrt auf der Stadtbahn zwischen Ostbahnhof und Berlin Zoo die große Ruhe ein. Über einen Monat werden notwendige Bau- und Erhaltungsmaßnahmen umgesetzt. Das große Ausweichen ist angesagt. Mehr dazu findet ihr hier.

Schneckenwetter

Heute ist wieder mal Schneckenwetter. Das heißt: warm mit hoher Luftfeuchtigkeit. Eine Kombination, die deutsche Fußballer bei der WM in Brasilien fürchten. Oder auch gerne mal als Begründung für nicht gelungene Auftritte heranziehen. Die Schnecken unseres Hinterhofs mögen solches Wetter. Dann kriechen sie in erklecklicher Zahl über die Wege, die zu den Mülltonnen führen. Würden sie ein ordentliches Haus mit sich führen, könnte man ans Einsammeln denken, zwecks knoblauchlastiger Zubereitung zum späteren Verzehr. Doch es ist die schleimig-glitschige unbehauste Variante. Farblich und substantiell eher an Fäkalien erinnernd. So macht man sich nicht beliebt. Hat Patricia Highsmith wirklich an diese Gastropoden gedacht, als sie das Liebesspiel von Hortense und Edgar schilderte?

Peinlich? Oder richtig?

Mehr Infos dazu gibt es z. B. auf der N24-Webseite oder in der Berliner Zeitung.

Mich schreckt so etwas ja, sehr. Menschen sollten miteinander sprechen, denke ich.

Public Viewing

Heute Abend gilt's ..... - Foto: h|b

Heute Abend gilt’s ….. – Foto: h|b

Wanderer kommst du zufällig nach Neukölln

neukoellner_kunst

keine Angst, die Kunst ist hier nicht zu übersehen!

Gee Vero – The Art of INCLUSION noch bis zum 27. Juni im Kleisthaus

von Ina Müller-Schmoß

Hinweisen möchte ich auf eine wirklich sehenswerte Ausstellung der Künstlerin Gee Vero. Das Besondere: Gee Vero verknüpft Kunst und Inklusion. Für einen ersten Vorgeschmack möge man sich die kleine Foto-Dokumentation der Vernissage anschauen.

Kunst ist in der Lage, Inklusion auf allen Ebenen unmittelbar sichtbar zu machen. The ART of INCLUSION ist mein Angebot als autistische Künstlerin – eine von 67 Millionen Autist/innen – an die Gesellschaft, sich der Herausforderung des Mitmensch-Seins mit autistischen Menschen zustellen. Es ist eine Einladung an einem Gemeinschaftswerk teilzuhaben und sich auf mich und meine Kunst einzulassen. Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft werden eingeladen, gemeinsam mit mir der Inklusion, im Sinne des lateinischen Ursprungs des Einschlusses und der Dazugehörigkeit, einen Schritt entgegen zu gehen. Ein Blatt Aquarellpapier wird zum Ort der Begegnung. Zwei Bilder werden ein Gemeinsames. Die unterschiedlichen Ergebnisse zeigen, wovon die Gesellschaft noch weit entfernt ist: Toleranz, Akzeptanz und Inklusion autistischer Menschen ist keine Illusion.

The Art of Inclusion ist noch bis zum 27. Juni 2014 im Kleisthaus, Mauerstraße 53, 10117 Berlin zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag – Freitag 10.00 – 18.00 Uhr.

Bei einem Treffen im Mai mit Gee hatte ich Gelegenheit, ihr ein paar Frage zu stellen. Hier das Interview:

weiterlesen »

Fahne hissen – hoffentlich hilfts

Regenbogenfahne am Charlottenburger Rathaus

Regenbogenfahne am Charlottenburger Rathaus

Charlottenburg hat damit angefangen, heute werden in allen Berliner Bezirken Regenbogenfahnen aufgezogen, hier von Bürgermeister Naumann und dem Voritzenden des LSVD Steinert – als Auftakt zum Lesbisch-schwulen Stadtfest.

Wenn ein CDU-Bürgermeister aus dem Westerwald ernsthaft den § 175 (Strafbarkeit von Homosexualität) wieder einführen möchte, kann man sich noch an den Kopf fassen. Wenn die Berliner Mahnmale für homosexuelle KZ-Opfer demoliert werden und wenn generell eine Abkehr von Toleranz gegenüber anderen Lebensweisen zu beobachten ist, beginnt man, über deutliche solidarische Zeichen nachzudenken.

Am Wochenende ist aber zunächst Riesenparty in Schöneberg angesagt, das schwul-lesbische Stadtfest beginnt. Ob sich die Gay-Pride-Week wieder mehr mit politischen Statements aufladen kann, wird sich noch zeigen.

Kennzeichen

Es gibt einige Möglichkeiten für Berliner Autofahrer, mit dem Kennzeichen ihres Fahrzeugs verschlüsselte Botschaften zu übermitteln. Ich bin in der glücklichen Lage, meine Initialen bekommen zu dürfen: B-MR. Da so ein Wunsch bei der Umschreibung aber extra kostet, habe ich verzichtet und das Kennzeichen der Verkäuferin übernommen: B-AW. Fußballfans aus Dortmund und Mönchengladbach sind auf jeden Fall im Vorteil. B-VB und B-MG dürfen vergeben werden. Anhänger aus München oder Basel müssen nach Frankfurt am Main umziehen: F-CB. Musikalisch orientierte dürfen auf B-AD oder B-AP hoffen. Ökonomen wissen, was B-IP bedeutet. Schnelle Fahrt ist trotz B-AB nicht garantiert. Mit der Kombination B-VG darf man sich hierorts übrigens öfter auf ein freundliches Lächeln der Busfahrer freuen. Das gilt auch für die B-SRler. Marken-Fetischisten können sich B-MW anschrauben lassen. HJ, KZ, NS, SA und SS dürfen nicht hinter dem B stehen. Sie sind bundesweit unerwünscht. Angeblich sollen anstößige Kombinationen nicht vergeben werden. Das hat das Landratsamt in Hanau nie gekümmert. Die Folge HU-RE soll sogar unter der Hand gehandelt worden sein. Alles weitere erläutert ein Wikipedia-Artikel. Ich erinnere mich immer noch an das Kennzeichen des ersten Autos meines Lieblingsopas: B-XE 40. Ein brauner Käfer mit kleiner Heckscheibe ohne Mittelsteg. Warum merkt sich unser Gedächtnis solche Sachen?