Espresso-Konzerte
Fred HSB in Kultur ⁓ 26. Januar 2012 ⁓ 18:13 Uhr ⁓ 1 Kommentar
Eine interessante Idee verfolgt das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Mitte: An jedem vierten Mittwoch im Monat werden dort Espresso-Konzerte aufgeführt.

Nach einem leckeren Namensgeber vor der Vorstellung beginnt dann immer um 14 Uhr die Vorstellung. Dabei wissen die Gäste vorab nicht, in welchem der dortigen Räumlichkeiten das Konzert jeweils stattfindet.
Gestern spielte Lili Grigoryan auf dem Flügel verschiedene Stücke von Mozart im großen Saal.

Ganz erstaunlich war die Wirkung, als ich mich mittags von dem alltäglichen Trubel gelöst hatte und in diese entspannte Atmosphäre begab: Nach der Unruhe und den Geräuschen des Straßenverkehrs in Mitte umgab mich beruhigende Stille in den Räumlichkeiten des beeindruckenden Gebäudes. Als der prächtige Saal in Dunkelheit getaucht wurde und anschließend die Musik erklang, war es ein wenig wie das Eintauchen in eine völlig andere Welt.
Eine gute Dreiviertelstunde lang ließ es sich auf diese Weise gut entspannen und ich konnte mich anschließend irgendwie “aufgetankt” wieder den Herausforderungen des Jobs stellen.
Wer das einmal probieren möchte, hat dazu auch in den folgenden Monaten Gelegenheit.
Warum Fluglärm Menschen krank macht
Susanne HSB in Schlagzeilen ⁓ 26. Januar 2012 ⁓ 16:40 Uhr ⁓ 3 Kommentare
Das erklärt heute die Berliner Zeitung und fasst dabei einiges über Verkehrs- und Industrielärm zusammen:
Unsere Körper sind so gebaut, dass Geräusche unser Nerven- und Hormonsystem aktivieren – auch nachts. Sie verändern unseren Blutdruck, die Herzfrequenz, den Kreislauf. Bei unseren Ahnen war es sinnvoll, dass Geräusche den Körper Stresshormone ausschütten ließen. Heute aber sind Menschen, die an Straßen, Schienen oder unter Flugrouten leben, einer Dauerbeschallung ausgesetzt, die zu – oft unbewussten – Dauerstress führt.
Mediziner fanden heraus, dass das auch im Schlaf der Fall ist und auch bei Personen, die glauben, sich an Lärm gewöhnt zu haben. Die Folgen, von Gehörschäden abgesehen: Herzerkrankungen, Herz-Kreislauf-Störungen wie Arterienverkalkung, Bluthochdruck und – wegen der Hormonstörungen – auch veränderte Blutfett und -zuckerwerte.
Überhaupt, eine solide Berlinquelle diese Berliner Zeitung, entwickelt sich eindeutig zur besten Berliner Zeitung. Finde ich. Und verstehe gar nicht, wie ich die derart aus den Augen verlieren konnte in letzter Zeit. Das wird sich ändern, ist jetzt wieder fix im Feedreader.
Kalte Großstadtlichter
Michael HSB in bei Nacht ⁓ 24. Januar 2012 ⁓ 01:14 Uhr ⁓ 3 Kommentare
Brandwände
Harald (HSB) in Aufnahmen, Kultur ⁓ 21. Januar 2012 ⁓ 14:04 Uhr ⁓ 9 Kommentare
Brandwände dienen dazu, ein Feuer davon abzuhalten auf andere Gebäudeteile überzugreifen. In Berlin gibt es davon schöne Exemplare. Manche sind einfach weiß, andere kunstvoll bemalt. Wer kennt nicht den “Lebensbaum” von Ben Wagin der – noch – auf der linken Seite zu sehen ist, wenn man die S-Bahn Station Tiergarten in Richtung Hauptbahnhof verlässt, oder die Politikermarionetten kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Zoo von Charlottenburg kommend.
In den 70er und 80er Jahren war das wohl ein richtiger Kunstzweig, bis zu 75 Wandkunstwerke wurden auf Brandmauern in Berlin realisiert. Wie das Riesenschiff Phönix vom Künstler Gert Neuhaus in der Nähe der Caprivibrücke in Charlottenburg, nahe der Spree. Durch die rege Bautätigkeit und die dadurch bedingte Schließung von Baulücken verschwinden inzwischen viele dieser Kunstwerke. Der Tagesspiegel widmete in der letzten Wochenendausgabe dem Thema einen großen Artikel und stellte den Erschaffer der Phönix näher vor.
Sonnabend, den 21. Januar 2012
Bernd HSB in Schlagzeilen ⁓ 21. Januar 2012 ⁓ 08:57 Uhr ⁓ 27 Kommentare
Große Aufregung herrscht um die Auswertung von Mobilfunk-Daten. Der Begriff Überwachung, wie er im Artikel steht, erscheint mir für den Vorgang nicht passend. Darunter verstehe ich eine direkte Verfolgung. Das fand nicht statt. Ob das Ganze überhaupt Sinn macht, ist für mich höchst zweifelhaft. Die meisten Geräte werden zwischen 3:45 und 5:00 Uhr, so steht es im Dokument, ganz still in den Wohnungen ihrer Besitzer gelegen haben. Und die nächste Richterin könnte fragen, ob die Maßnahme einen Ermittlungserfolg erbracht hat. Die Behörden schweigen zu dieser Frage. Bis jetzt!
Ein auf(s)gewertetes Wochenende wünscht
Bernd
Berliner Hauptbahnhof muss saniert werden
Susanne HSB in Schlagzeilen ⁓ 19. Januar 2012 ⁓ 13:28 Uhr ⁓ 7 Kommentare
Es ist noch keine sechs Jahre, da wurde der Mehdornbau irgendwo in Ulan Bator eröffnet. Ein Jahr später riss der Sturm Kyrill bereits einige Bauelemente aus der (soweit ich mich erinnere nicht vorhandenen) Verankerung. Und jetzt das:
Erst das verkürzte Dach – und jetzt lockere Schrauben: Das Bautempo, das der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn durchgedrückt hat, um den Hauptbahnhof wie vom ihm gewünscht zur Fußball-WM 2006 eröffnen zu können, hat dem Bau erheblich geschadet. Optisch und jetzt auch materiell. Der Austausch der verschlissenen Verbindungsteile an den Brücken wird wohl weit mehr als zehn Millionen Euro kosten. Rund eine Million Euro hat bereits die vorläufige Sanierung verschlungen.
An dem Brückenbauwerk der Ost-West-Stadtbahn gibt es im Bereich des Hauptbahnhofs insgesamt neun Zwischenfugen, bei denen die durch die Züge ausgelösten Kräfte über besondere Konstruktionen geleitet werden, um die Schienen zu entlasten; von den Ingenieuren Fahrbahn-Übergangskonstruktion genannt.
Weil die Gleise in einer Kurve liegen, wäre eine Sonderbauart erforderlich gewesen. Bei dem engen Terminplan sei dafür jedoch keine Zeit gewesen, heißt es heute bei der Bahn.
(Quelle: Tagesspiegel)
Woanders
Harald (HSB) in Aufnahmen ⁓ 16. Januar 2012 ⁓ 08:25 Uhr ⁓ 7 Kommentare
Damit die Leser/innen des HSB nicht irgendwann denken Berlin besteht nur aus Neukölln, habe ich mich am Wochenende mal auf die Socken gemacht und habe Berlin komplett abfotografiert. Echt. Naja, vielleicht doch nicht alles, aber eine Menge. Es gibt jetzt also ab und an Bilder, die mal hier mal dort Berlin zeigen. Auf keinen Fall Neukölln, da war ich nicht.
Den Anfang macht der knubbelige Kerl hier mit der Pfeife. Damit ihr meine Anstrengung ein wenig honoriert, sollt ihr herausbekommen, wie die Skulptur heisst, wo sie steht und warum sie überhaupt existiert. Schafft ihr doch mit links, oder?
Der ultimative Neuköllner Schnappschuss
Susanne HSB in Aufnahmen ⁓ 15. Januar 2012 ⁓ 18:14 Uhr ⁓ 4 Kommentare

Neuköllner Grafitto mit Herz Foto: HSBengl
Gestern war ich wieder einmal unterwegs in den Straßen des hiesigen Ghettos, in dem ich lebe und arbeite. Schöne Sachen habe ich dabei gefunden, blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein. Und sehr schöne, blassbunte Bilder mit viel Potential. Doch das Neuköllner Image ist nun mal anders. Hier, wo alles so verkommen ist, die Straßenzüge ebenso wie die vielen verschiedenen Menschen, gibt es keine Farbe, kein Licht. Alle Aussichten sind düster.
Angeblich.
Da hilft manchmal nur noch, mit dem Bildbearbeitungsprogramm alles weit hinein ins Giftgrün zu verzerren. Dann passt es.
Das unendliche Wissenwollen von Unwissen
Susanne HSB in Kultur ⁓ 14. Januar 2012 ⁓ 20:18 Uhr ⁓ 7 Kommentare

Lümmelnder Dauergast auf meinem Schreibtisch Foto: HSBengl
Aus der Rubrik neue (oder ziemlich neue) Bücher aus oder über Berlin: Kathrin Passig, Aleks Scholz und Kai Schreiber: Das neue Lexikon des Unwissens
So ist das mit dem Wissen. Meistens weiß man nicht so genau, was man eigentlich damit anfangen soll. Wie und wieso ein Flaschenzug funktioniert. Oder die funktionelle Magnetresonanztomographie. Ob die Dualität durch Luzifer in die Welt gekommen ist, oder ob nicht doch jede Person ein lebendes Medizinrad ist. Und hat die EZB eigentlich die klare Aufgabe, die Finanzmärkte zu stärken? Was ist überhaupt die EZB? Wieso ist die rechte Hirnhälfte für die linke Körperseite zuständig? Warum kriegt der Zitteraal nicht selbst einen Schlag? Und wie viel wiegt wohl ein Kilogramm? Lauter Fragestellungen, die im Zweifel überhaupt nicht interessieren oder aber auf den ersten Blick unsinnig erscheinen. Aber spannend ist es mitunter trotzdem, dieses Wissen wollen. Oder etwa nicht?
Was ist das eigentlich, Wissen? Auch dieser Frage geht das neue Lexikons des Unwissens, das Ende des Jahres bereits auf meinem Bücherstapel gelandet ist, letztendlich nach. Seitdem begleitet es mich mal hierhin, mal dahin, auf die Busstrecke nach Friedrichshain oder in die schnelle Suppenmittagspause um die Ecke. Wo immer ich es gerade wiederfinde, werfe ich einen Blick hinein und lese irgendein Kapitel. Das ist kein Buch, das man durchliest oder gar ausliest, Wissen endet schließlich niemals. Wie das Universum. Obwohl: Endet das Universum nicht vielleicht doch irgendwo. Oder wenigstens irgendwann?
weiter im Common Reader
Berlin ist schrill und
Susanne HSB in Aufnahmen ⁓ 11. Januar 2012 ⁓ 23:41 Uhr ⁓ 16 Kommentare

Privatplakatierung in Neukölln Foto: HSBengl
Neonazi-Verbrechen: 63 Morde und 190 Banküberfälle müssen geprüft werden
Susanne HSB in Schlagzeilen ⁓ 09. Januar 2012 ⁓ 17:49 Uhr ⁓ 3 Kommentare
Im Zusammenhang mit der Neonazi-Mordserie werden auch in der Hauptstadt umfangreiche Ermittlungen an gestellt. 63 Morde und 190 Banküberfälle dahingehend überprüft, ob es eine Verbindung mit dem bislang offensichtlich weitgehend unbekannten „nationalsozialistischen Untergrund“ geben könnte:
Bei den Ermittlungen zur Zwickauer Neonazi- Terrorzelle werden auch ungelöste Morde, Anschläge und Banküberfälle in Berlin überprüft. „Wir haben 63 ungeklärte Tötungsdelikte ermittelt. Bei einem Fall, den ich aber aus ermittlungstaktischen Gründen nicht näher auflisten möchte, könnte theoretisch ein Zusammenhang bestehen“, sagte Berlins Polizeivizepräsidentin Margarete Koppers am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses.
Konkrete Anhaltspunkte seien bislang nicht festgestellt worden. Jedoch sei der Fall nach wie vor Gegenstand der Ermittlung vonseiten des Bundeskriminalamts (BKA). (Quelle: Morgenpost)
Pickelgesicht oder Bubble Tea?
Sebastian HSB in Stadtnotizen ⁓ 08. Januar 2012 ⁓ 19:15 Uhr ⁓ 9 Kommentare
Berlin sieht in manchen Straßenzügen derzeit aus wie ein pubertierender Teenager. Wie Pickel aus der Gesichtshaut eines heranwachsenden Gesellschaftsmitgliedes zwischen 12 und 16 Jahren sprießen seit einigen Monaten bunt-und-munter so genannte Bubble Tea Shops aus den Ladenzeilen. Und ähnlich wie Pickelausdrücken lässt sich auch das Gefühl beschreiben, das sich im Mund verbreitet, wenn man das „besondere“ an diesem neuen Modegesöff am Gaumen zerquetscht. Ok, die Tapioka-Kugeln, die in der Tee-Frucht-Milch-Suppe schwimmen, sind nicht mit Eiter gefüllt, sondern bestehen im Wesentlichen aus Speisestärke, aber besser macht es das auch nicht. Nach Smoothies, Chai Coffee Latte, Weizenbier-Grapefruit und gefrorenem Joghurt wird der nächste globale Trend durchs Berliner Dorf getrieben.
Klar, als Bewohner des preußischen Sandes sage ich mir, gemäß des dem großen Fritz (dessen bevorstehender 300. Geburtstag allenthalben medial gewürdigt wird) zugeschriebenen und immer wieder gern zitierten Ausspruches, jeder soll nach seiner Façon selig werden. Und zugegeben, meine Neugierde hat mich in den vergangenen Jahren auch immer mal wieder etwas austesten lassen – logischerweise auch das hier beschriebene Getränk, könnte ich mich doch sonst nicht drüber echauffieren -, dennoch wallt beim Erblicken eines jeden weiteren dieser Läden in mir der unwiderstehliche Drang auf, eine Flasche Clerasil zu exen.
PS: Beim Kommentieren bitte den Blasentee-Witz weglassen, hab ich ja auch geschafft ;)
„Ich bin nicht Rappaport“ im Schlosspark-Theater
Fred HSB in Kultur ⁓ 08. Januar 2012 ⁓ 18:54 Uhr ⁓ 26 Kommentare
„Wir sammeln alte Möbel und alte Bilder. Wir sammeln alte Briefmarken und alte Autos. Wir sammeln alles Alte – nur keine alten Menschen!“
Dieses Zitat aus dem neuen Stück „Ich bin nicht Rappaport“ im Schlosspark-Theaters gab in der Premiere am Samstag die Richtung vor: Dieter Hallervorden versteht es wieder bestens, in seiner Hauptrolle auf spaßige Art und Weise unserer heutigen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Die Frage, wie wir mit „unseren Alten“ umgehen, schwingt zwischen den Zeilen zwei Stunden lang trotz aller Gags und Schmunzelsituationen durch.

Der frühere Kellner und Gewerkschaftsaktivist Nat lässt dem dunkelhäutigen und ebenfalls schon über 80-jährigem Midge bei ihren Treffen im Park partout keine Ruhe: Eine frei erfundene Geschichte nach der anderen präsentiert Nat und schlüpft dabei überzeugend in ständigem Wechsel in unterschiedlichste Rollen. Fast meint man, er würde selbst glauben, was er erzählt.
Vom Idealismus angetrieben hat der Lebenskünstler für nahezu jedes Problem anderer eine Lösung parat: drohende Kündigungen oder Abhängigkeiten von Drogendealern scheinen nur auf den Einfallsreichtum von Nat zu warten. Selbst dagegen ist er von der ständigen Sorge verfolgt, von seiner nicht minder dynamischen und konfliktfreudigen Tochter in ein Altersheim gesteckt zu werden.

Die Sorge, aufgrund seines Alters weder gebraucht noch ernst genommen zu werden, treibt Nat um und immer wieder zu neuen Höchstleistungen. Selbst in schier aussichtslosen Situationen zieht Nat noch immer eine Lösung aus dem Ärmel und symbolisch den Kopf aus der Schlinge. Respekt und Anerkennung erntet er allerdings nur sehr begrenzt.
In einer für Hallervorden typischen Art führt er zusammen mit Joachim Bliese als Midge die Zuschauer auf humorvolle Art durch eine Aneinanderreihung vom Umständen, die schon fast als Großstadtabenteuer bezeichnet werden können. Und immer wird man von der Frage begleitet: Wie gehen wir mit unseren „Alten“ um?








